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Blog

Going Retro!

Vor der digitalen Revolution wurde klassisch mit Rollfilm fotografiert. Doch ist die analoge Fotografie nicht ausgestorben – als Retro-Trend kehrt sie immer wieder zurück. Die Faszination Analogfotografie hat auch mich gepackt. Ohne Display, ohne Serienbild, ohne digitalen Schnickschnack. Und ich bin inzwischen überzeugt, dass jeder, der in der Fotografie weiterkommen will, sich mit der analogen Fotografie beschäftigt haben muss.

Analog und digital – beides hat seine Vorzüge (Foto: Eric)

Meine fotografische Karriere begann zum Jahreswechsel 1999/2000. An einem Abend im winterlichen Ägypten schoss ich das erste Foto, welches ich heute als "wertvoll" einschätzen würde: Es war eine Aufnahme des Sternbildes Orion, für die ich eine alte EXA500 mit Kabelfernauslöser verwendet habe. Heute fotografiere ich natürlich ganz anders – mit digitaler Technik.

Digitaler Wahnsinn

Doch wie sinnvoll ist es, heute noch analog zu fotografieren, wo doch das Digitalzeitalter scheinbar unbegrenzte Vorzüge bietet? Warum sollte ich auf ein Display, hohe Serienbildraten und Speicherplatz ohne Ende verzichten? Ganz einfach: Man verlernt zu fotografieren – oder lernt es nie wirklich.

Die Möglichkeit, jederzeit abzudrücken und hinterher einfach wieder zu löschen, verführt viel zu oft dazu, nicht mehr wirklich über das Motiv nachzudenken. Man könnte ja einfach schauen, wie das fertige Bild aussieht, und es dann erneut probieren. Doch nähert man sich seinem Motiv dann noch emotional? Nein, nicht wirklich.

Keine automatische Belichtungsmessung: Schneeaufnahmen müssen immer leicht überbelichtet werden. Doch eine Kontrolle hat man mangels Display nicht (Foto: Eric, EXA Ia)

Diese Astroaufnahme vom Jahreswechsel 1999/2000 ist mein erstes

Ebenso sieht es mit der Serienbildfunktion aus. Selbstverständlich ist sie eine große Hilfe bei schneller Action auf dem Sportplatz oder auf Safari. Doch verleitet das "Abenteuer Dauerfeuer" ebenso, sich nur noch auf Technik und das Glück zu verlassen – "da wird schon was bei sein", höre ich leider viel zu oft. Und nebenbei: Wer möchte am Ende der Foto-Session tausende Bilder auswerten? Die wahre Kunst stellt doch viel mehr die Beobachtung des Motives dar, das Vorausahnen von Handlungen und das zielgerichtete Anfertigen von Fotos. Die Nachbearbeitung erleichtert das allemal.

Analoge Freuden

Neben den offensichtlichen Gefahren, die die Digitalfotografie mitbringt, gibt es auch noch Dinge, welche die Digitalfotografie nicht bieten kann: das mit Spannung erfüllte Warten auf die Bilder beispielsweise – sind sie was geworden? Waren alle Parameter richtig gewälht? Auch bieten analoge Fotos – einen guten Film vorausgesetzt – ihren ganz eigenen Charme. Ich selbst freue mich schon darauf, meinen ASA 400 Tmax-Schwarzweißfilm einzulegen.

Das Spannen des Films per Daumenhebel, das ganz anders klingende Geräusch des Spiegels und das Rückspulen des Films per Hand – gibt's nur analog. Dazu der Geruch der alten Kameras und man fühlt sich fast in eine vergangene Zeit zurückversetzt.

Gerade bei Tieren muss der richtige Moment exakt abgepasst werden – Serienaufnahme gibt es nicht (Foto: Eric)

Doch was die Analogfotografie für mich so reizvoll macht, ist die Bedächtigkeit, mit der man an die Motive herangehen muss. Jeder Schritt wird genau überlegt. Jede Einstellung lieber einmal mehr überprüft. Die Belichtung muss gemessen werden und der Fokus manuell gesetzt. Das alles ist kein notwendiges Übel. Es ist – zumindest für mich – Entspannung pur. Alle Sorgen und Gedanken fallen ab und die Konzentration gilt allein dem Motiv, für das ich nur ganz wenige Versuche habe.

Würde ich der Digitalfotografie abschwören? Nein, auf keinen Fall. Denn auch sie bietet ihre exklusiven Möglichkeiten. Doch die Analogfotografie ist die optimale Ergänzung – denn sie stärkt das Auge, die Konzentration und das Gefühl für die Motive. Und sie macht einfach Spaß...